She had her moments,  she had some style
The best show in town was the crowd
Outside the Casa Rosade crying "Eva Péron".

 

Und sie sorgten für einen entscheidenden Moment
in der Geschichte des Musicals:

 

Buch:
Tim Rice

 

Musik:
Andrew Lloyd Webber

 

 

 

 

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Hexe oder Heilige ?

Die historische Evita kam am 17. Mai 1919 in Los Toidos, einem armseligen, staubigen Dorf der Provinz Buenos Aires, zur Welt. Sie war das jüngste von fünf unehelichen Kindern der Juana Ibarguen. Ihr leiblicher Vater, Juan Duarte, war verheiratet, führte aber mit seiner Geliebten so etwas wie eine Kebsehe. Dergleichen war nicht ungewöhnlich. Argentinische Sitte, von den Maßstäben des allein bestimmenden männlichen Geschlechts geprägt, nahm an einer milden Form der Vielweiberei keinen Anstoß. Evitas Vater schämte sich auch keineswegs seiner unehelichen Kinder; er besuchte sie häufig und unterstützte sie finanziell. Weshalb sein Tod im Jahre 1926 die Familie kaum weniger hart traf als seine legitimen Angehörigen.

Die freilich wollten Juana Ibarguen und ihre Kinder nicht bei der Beerdigung dabeihaben; die bürgerlich-konservativen Duartes beanspruchten das Familienoberhaupt wenigstens am offenen Grab für sich allein. Dieser Ausschluß von den Begräbnisfeierlichkeiten war für die kleine Evita ein traumatisches Erlebnis. Schwer erschüttert von der Realität des Todes, mußte das Kind zugleich erfahren, daß fremde, sozial besser gestellte Leute ihr den Vater streitig machen konnten. Wie die damals Siebenjährige auf die eisige Verachtung reagiert hat, mit der die angesehene Familie des Vaters alle Ansprüche der außerehelichen Hinterbliebenen ablehnte, können wir nur vermuten: wahrscheinlich mit ohnmächtigem Haß. Jedenfalls vergaß sie den Hochmut der reichen Verwandten und das der Mutter zugefügte Unrecht ihr Leben lang nicht mehr. Gewiß haben ihr kalter Ehrgeiz, ihre Aggressivität gegen die bürgerliche Klasse, ihr Geltungsbedürfnis, die besondere Natur ihres Verhältnisses zu Männern, ja selbst ihr »Kampf für die Armen« in diesen erniedrigenden Erfahrungen der Kinderzeit ihre eigentlichen Wurzeln.

Der Mutter gelang es in den folgenden schweren Jahren irgendwie, sich und die Kinder durchzubringen. In dem Städtchen Junin lebte die Familie in leidlichen Verhältnissen, während Eva die Schule besuchte. Dort lernte sie Schreiben, Lesen und Rechnen. Etwas Wichtigeres lehrte sie das Beispiel der Mutter, nämlich, worauf es im Leben einer argentinischen Frau vor allem ankam: mit einem Lächeln, einem Blick, ein paar Tränen einen Mann gefügig zu machen. Solche Kunst war lebensnotwendig.

Was immer eine Frau damals in Argentinien erreichen wollte, sie konnte es nur mit der Hilfe von Männern bekommen. Eva hat dies sehr früh verstanden. Sie war erst fünfzehn, als sie Augustin Magaldi kennenlernte, einen damals bekannten argentinischen Tangosänger, der gelegentlich in einem Nachtklub von Junin auftrat. Magaldi nahm Evita nach Buenos Aires mit.

Ihr Ehrgeiz trieb sie voran und in die Arme wechselnder Liebhaber. Auch diese rasch wechselnden Zweck-Liebschaften erforderten natürlich schauspielerisches Talent; trotzdem mag es erstaunen, daß Evita eine andere Vorbereitung auf ihren zukünftigen Beruf -sie wollte Schauspielerin werden -offenbar für überflüssig hielt. Bemerkenswert auch Evitas Zielstrebigkeit und Ausdauer auf dem Weg durch die Schlafzimmer: Erst 1939 wirkte sie in einem Hörspiel mit und gefiel. In den folgenden Jahren machte sie Rundfunk-Karriere. Dann folgten kleinere und größere Filmrollen.

 

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Die Intrigen des Filmstars Eva Duarte

1943 hätte Evita zufrieden zurück und beruhigt in die Zukunft blicken können. Längst war sie reicher und angesehener als die verhaßten Duartes. Aber ihr Ehrgeiz war noch keineswegs gestillt. Sie begann sich für Politik zu interessieren. Soeben hatte nach unruhigen Jahren in Buenos Aires eine Militärjunta die Macht übernommen. Der Film- und Rundfunkstar Eva Maria Duarte galt als Geliebte des Obersten Imbert, der -was Evitas Vorliebe für ihn erklärt -als neuer Postminister das gesamte Rundfunkwesen Argentiniens kontrollierte. Durch ihn bekam sie Zugang zu militärischen Kreisen, welche damals dem offiziell als Präsident fungierenden Ramirez die politischen Entscheidungen diktierten. Denen gehörte auch der Oberst Juan Peran an, ein damals noch weithin unbekanntes, aber bereits einflußreiches Mitglied der herrschenden Gruppe von Offizieren.

Wo und wann es zur ersten Begegnung zwischen Eva Duarte und Juan Perón kam, läßt sich nicht mehr feststellen. Die Autoren des Musicals Evita gehen, vor allem aus dramaturgischen Gründen, davon aus, daß dies am 22. Januar 1944 geschah. Damals fand im Luna-Park-Stadion von Buenos Aires ein Wohltätigkeitskonzert zugunsten der Opfer einer schweren Erdbebenkatastrophe statt, eine Massenveranstaltung, auf der sowohl die Schauspielerin als auch der Oberst auftraten.

Von da oder anderswo: die Begegnung führte zu mehr als der üblichen Affäre. Seit 1944 waren die beiden unzertrennlich..

 

Hinter dem Aufstieg Perans steckte Strategie. Es war die des italienischen und deutschen Faschismus, den der junge Oberst in Europa aus nächster Nähe kennengelernt hatte. Hitlers und Mussolinis Aufstieg lehrten Perón, daß es ein magisches Zaubermittel zur Betäubung der Völker gab: die Verbindung von sozialen mit nationalen Ideen. Der Oberst, der die Alleinherrschaft anstrebte, wußte auch, daß eine Diktatur ohne Rückhalt im Volk von kurzer Dauer sein würde. Weshalb sich Perón geschickt im Hintergrund der Junta hielt und zunächst insgeheim, dann von den anderen Offizieren mißtrauisch beobachtet, intensive Kontakte zu den Gewerkschaften aufnahm. Er bot sich als starker Mann zur Lösung der sozialen Probleme des Landes an. Gleichzeitig verkündigte Evita in ihren Radiosendungen das Evangelium von Peróns Mission für die Arbeiter und Bauern.

 

Die Rechnung schien aufzugehen. Auf Drängen der Gewerkschaften wurde der Oberst Anfang 1945 Vizepräsident von Argentinien, zugleich Arbeits- und Kriegsminister. Als es aber Perón nicht gelang, der sozialen und wirtschaftlichen Krisensituation sofort Herr zu werden, kam es schon im September 1945 zu einer Massendemonstration der Arbeiter. Ein Signal für die Junta, Perón zum Rücktritt von allen seinen Ämtern zu zwingen und den Gescheiterten überdies, in einer ungeschickten Übertreibung, zu verhaften und ins Gefängnis zu werfen. In dieser Situation bewies Evita, was in ihr steckte. Es gelang ihr, die Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. Sie hatte sofort erkannt, daß die Gegner Peróns mit der Inhaftierung ihres Ex-Kameraden einen Schritt zu weit gegangen waren. Noch am Tag seines Sturzes begann die junge Schauspielerin, den gescheiterten Politiker zum Märtyrer hochzustilisieren und die Massen zu mobilisieren. In Fabriken und Gewerkschaftshäusern erging sie sich in demagogischen, mitreißenden Reden, in denen sie Argentiniens Besitzlose, die sogenannten Descamisados (wörtlich: die Hemdlosen), zur Befreiung Peróns aufrief. Von ihrem Feuer entzündet, versammelten sich am 17. Oktober über 50.000 Arbeiter auf der Plaza de Mayo in Buenos Aires. In Sprechchören forderten sie vor der Casa Rosada die Freilassung Peróns. Präsident Ramirez, von der drohenden Haltung der Massen beunruhigt, ließ den Obersten sofort aus dem Gefängnis holen, umarmte ihn demonstrativ auf dem Balkon des Präsidentenpalastes vor den Augen der Menge und erklärte die Verhaftung seines Ex-Vize nachträglich für unzulässig. Zu Recht betrachtete Perón dieses Ereignis als den Durchbruch zum Weg an die Spitze und ließ den 17. Oktober später zum nationalen Feiertag erklären.

 

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Mit 26 First Lady

Wenige Tage nach diesem Triumph heiratete Juan Perón seine langjährige Geliebte. Es war dies eine offene Kriegserklärung an die Junta, welche die Schauspielerin als nicht standesgemäß ansah. Auch die maßgeblichen Kreise der Hochfinanz und Aristokratie empfanden die Verbindung eines führenden Politikers mit einer Frau wie Eva Duarte als Skandal. In der breiten Bevölkerung dagegen wuchs mit dieser Verbindung Peróns Popularität. Am 25. Februar 1946 wurde er, nicht ohne massive Wahlbeeinflussung, zum Präsidenten von Argentinien gewählt.

So war aus Evita, dem Aschenputtel aus dem staubigen Los Toldos, sechsundzwanzigjährig, die First Lady Argentiniens geworden. Ihre Karriere als Schauspielerin gab sie auf; das politische Parkett bot ihr von nun an eine wesentlich reizvollere Bühne. Denn sie hatte von Anfang an nicht die Absicht, sich mit der üblichen Statistenrolle einer Frau des Präsidenten abzufinden: Sie wollte selbst Einfluß und Macht ausüben. Perón richtete für seine Mitstreiterin ein Büro im Arbeitsministerium ein, wo sie sich intensiv der Aufgabe widmete, die Gewerkschaften weiterhin für ihren Mann zu aktivieren und allmählich gleichzuschalten. In leidenschaftlichen Reden verklärte sie Peron als Retter der Armen und Entrechteten. Immer wieder hämmerte sie ihren Zuhörern ein, daß sie eine der ihren sei und nur im Kreis der Herrschenden mitwirke, um die Not der Beherrschten zu lindern. Den Ausgleich mit den konservativen Kräften der Militärs und Aristokratie suchte sie nie. Dagegen präsentierte sie sich dem »einfachen Volk« als Symbol dafür, daß auch eine der ihren zu Macht und Ruhm kommen konnte. Nur wenige störte es, daß Eva Peron sich trotz der weitverbreiteten Armut im Lande mit Pelzen und Juwelen zu schmücken liebte.

Im Jahre 1947 hatte Peron seine Macht im Innern so weit gefestigt, daß er an Außenpolitik denken konnte. Immer deutlicher zeigten sich die faschistischen Züge seines Regimes. Gestützt auf die ihm ergebene Partido Laborista (Arbeiterpartei) und die inzwischen zentralistische Gewerkschaftsbewegung (Confederacion General de Trabejo -C.G. T.) verschärfte der Oberst seine Methoden, oppositionelle Gruppen zu verfolgen, die Presse mundtot zu machen und seine Gefängnisse mit mißliebigen Personen zu füllen. Allen Bemühungen zum Trotz drang die Kunde von solchen Maßnahmen nach draußen und weckte in Europa nicht eben die freundlichsten Gefühle für den Peronismus. Um diesen Ressentiments zu begegnen, was sich insbesondere im Hinblick auf Argentiniens Fleisch- und Weizenhandel empfahl, fiel dem argentinischen Präsident kein besseres Mittel ein, als seine hübsche junge Frau auf eine Goodwill-Reise nach Europa zu schicken.

 

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Evitas Regenbogen-Tour

Evitas sogenannte »Regenbogen- Tour« wurde im voraus von der einheimischen Presse zu einem epochalen Ereignis hochstilisiert. Der Zweck der Reise wurde freilich kaum erreicht. Nur in Spanien, der letzten Bastion der Faschisten in der alten Welt, erhielt Eva die Resonanz, die sich Peron von ihrem Erscheinen erhofft hatte. Der alte Franco und Spaniens Presse waren hingerissen vom Charme der Argentinierin. Das Volk jubelte ihr zu. Anders in Italien und Frankreich, wo man von dem argentinischen Staatsbesuch entweder keine Notiz nahm oder mit Gegendemonstrationen reagierte. Es kam zu häßlichen Zwischenfällen. Die Staatsmänner behandelten Evita mit reservierter Höflichkeit, die englische Regierung gar weigerte sich, eine offizielle Einladung auszusprechen. Weshalb die Frau des Diktators verärgert ihre Europa-Tour abbrach und nach einer Stippvisite in der Schweiz (die offensichtlich der Regelung von Bankangelegenheiten galt) nach Hause zurückkehrte. Natürlich wurde sie triumphal empfangen.

Trotz ihres äußeren Glanzes bekam Eva Marja Duarte de Peron auch in den Jahren nach 1947 zuweilen noch jene Verachtung zu spüren, die sie schon als Siebenjährige kennenlernen mußte. Die Frauen der großen Familien Argentiniens verweigerten der jungen Präsidentengattin eine traditionelle Ehre, die vor ihr allen First Ladies zuteil geworden war: sie trugen ihr nicht den Vorsitz über die nationale Wohltätigkeitsorganisation an. Aus Trotz über diese Zurücksetzung gründete Eva Peron eine eigene Armen-Stiftung, die sogenannte »Eva Peron Fondacion« ; und eröffnete einen regelrechten Krieg gegen die bisher führende Sozial-Institution. Zunächst forderte sie die Wirtschaftsunternehmen des Landes und einzelne Großverdiener auf, der eigenen Stiftung große Geldbeträge zur Verfügung zu stellen und dafür alle Spenden für die traditionelle karitative Organisation zu streichen. Die Höhe der von ihr gewÜnschten Beiträge bestimmte die Präsidentengattin jeweils selbst. Wer sich dieser Art erzwungener Mildtätigkeit verweigerte, wurde mit Steuerverfahren ruiniert und landete alsbald im Gefängnis. Auf diese Weise sammelte Evita in kurzer Zeit ungeheure Beträge für ihre Stiftung und führte den Bankrott der Konkurrenz-Institution herbei.

 

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Der „Engel der Nation“ veruntreute Millionen

Die gleichgeschaltete Presse begann Evita als den Engel der Nation zu preisen und täglich über ihre guten Taten zu berichten. Schulen, Krankenhäuser und Ferienlager wurden gebaut. Viele der Ärmsten erhielten tatsächlich Zuwendungen, obgleich die verteilten Güter im allgemeinen der Regierung mehr Publicity einbrachten als den Bedachten wirklich und langfristig zu helfen. Gelegentlich warf der »Engel der Armen« einfach ein Bündel Geldscheine in die Menge. Dann wieder veranstaltete sie nach dem »Kraft-durch-Freude«-Prinzip Reisen und Urlaubsaufenthalte. Erst nach dem Fall des Perón-Regimes stellte sich dann heraus, daß ein großer Teil der von Evita gesammelten Gelder auf Schweizer Nummernkonten geflossen waren, zu denen nur sie und Peron Zugang hatten. Die Höhe dieser Veruntreuungen ließ sich auch später nicht genau feststellen, da Eva Peron über die vereinnahmten Stiftungsgelder keine Bücher führen ließ.

Inzwischen versank das Land immer tiefer in wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten. Stimmen des Unmuts wurden laut, selbst in Gebieten, die Hochburgen des Peronismus waren. Immer brutaler mußte die peraónistische Geheimpolizei oppositionelle Regungen unterdrücken, um der Lage Herr zu bleiben. Die Verfolgten, vor allem die Emigrierten, begannen in Evita eine Hexe zu sehen, die an dem ganzen Unglück schuld sei.

Im Jahre 1951 glaubte Perón, die Kandidatur Evitas zur Vizepräsidentenwahl könnte die Massen von den Problemen ablenken. Es zeigte sich aber gleich nach ihrer Nominierung, daß Militärs und Wirtschaftskreise nicht gewillt waren, diese äußerste Herausforderung der Aufsteigerin hinzunehmen. Insbesondere die Generäle hielten es für unzumutbar, im Falle eines vorzeitigen Todes des Präsidenten dem Kommando einer Frau unterstellt zu sein. Auch außerhalb der Offizierskasinos empörte sich männlicher Chauvinismus.

Zu diesen äußeren Widerständen kam ein Hindernis, das in Evitas Person selbst lag. Es stellte sich nämlich heraus, daß sie an Krebs litt und sich einer Operation unterziehen mußte. Bevor sie dazu ins Krankenhaus fuhr, hielt sie am 6. November 1951 eine Rundfunkansprache, in der sie theatralisch erklärte, sie verzichte auf die Vizepräsidentschaft freiwillig und mit Rücksicht auf das Wohl des Landes. So verklärte sie noch ihre Niederlage zum selbstlosen Opfer und letztem Triumph. Von der Krebsoperation, obwohl erfolgreich verlaufen, sollte sich Evita nicht wieder erholen. Erst 33 Jahre alt, starb sie am 26. Juli 1952 um 20.25 Uhr. Evitas Tod beendete freilich so wenig wie der Sturz Peróns die Auseinandersetzungen um diese Frau. Heute noch versperren erbitterter Haß und fanatische Bewunderung den Blick auf die »Hexe« oder »Heilige«. Bald umgab auch Eva Perón der Mythos, der so häufig früh verstorbene Berühmtheiten (James Dean, Che Guevara, Jimi Hendrix, Marilyn Monroe) erst wirklich unsterblich werden läßt.

 

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Der Ehrgeiz brachte sie um

 

Meine Meinung? Evita war weder Werkzeug Gottes noch teuflische Unholdin. Sie war ungebildet, skrupellos, oft undiszipliniert, manchmal verblüffend naiv, dann wieder primitiv berechnend. Außer rührseligen Groschenromanen hat sie nie ein Buch gelesen und komplizierte politische und wirtschaftliche Zusammenhänge wohl kaum begriffen. Gerade diese Unbedarftheit erklärt Eva Peróns unbekümmerten Mut, alles ihrem Willen zu unterwerfen. Frechheit siegt. Ein Egoist, der die »große Welt« behandelt wie ein unartiges, trotziges Kind, dem man schließlich nachgibt: Der Klügere hat meist die schwächeren Nerven. Sicher keine aufopfernde Ehefrau, aber auch nicht eine raffinierte Drahtzieherin, der Perón hörig war. Falsch also das Bild vom mildtätigen Engel und auch das der grausamen Foltermagd. Evita kannte nur einen einzigen Herrn: den eigenen Ehrgeiz. Der führte sie in ungeahnte Höhen und brachte sie schließlich um.

 

 

 

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Autor Tim Rice und Komponist Andrew Lloyd Webber haben alles richtig gemacht. Sie nahmen sich einen umstrittenen, politischen Stoff, schrieben zynische Texte und eine Musik, die die gesamte Bandbreite dieser Musiktheater-Gattung umfasst.

Als Versuchsballon wurde 1976 ein Album veröffentlicht: mit Judie Covington und C.T. Wilkinson in den Hauptrollen. Mit einem Chart-Hit („Don’t cry for me Argentina“) hatte man genügend Aufmerksamkeit, um sich nun an die theatralische Umsetzung des Werkes zu machen. Dafür gewannen sie Harold Prince.

Er schuf eine zeitlose Inszenierung: mal mit Brecht’scher Verfremdung, mal mit intimen, emotionalen Momenten. Diese Umsetzung bot nicht nur der Ur-Evita Elaine Paige die Möglichkeit, zu glänzen. Auch eine Florence Lacey oder Isabel Weicken  konnte dieser Figur Leben einhauchen.

Ein Meisterstück war es auch, dieses Werk für andere Inszenierungen und Theater frei zu geben. Dadurch gab es neue Herangehensweisen und für viele Stadttheater eine lohnenswerte Musical-Adaption.

 

Dass die Verfilmung des Bühnenstücks einen anderen Stil und besondere Hollywood-Stars erforderte, verstand sich fast von selbst. Ob die Entscheidung für Madonna die richtige war, ist umstritten. Aber auf alle Fälle hat sie ein neues Publikum für diesen Musical-Klassiker erschlossen. Und die musikalische Überarbeitung machte aus „Evita“ noch ein Stück mehr Original-Argentinien.

 

 

 

Im Theater habe ich bisher diese Evitas erlebt:

London

1979 August

Wien

1980/81 Spielzeit

München

1983 Mai

Böblingen

1988/89 Spielzeit

Meiningen

1990/91 Spielzeit

Böblingen

1992 Januar 18