Laß die Welt versinken,
ich will mit Dir im Nichts ertrinken.
Mit Dir als Feuer aufersteh’n
und in der Ewigkeit vergeh’n.

 

Diesen kaiserlichen Totentanz schufen:

Buch:
Michael Kunze

 

Musik:
Sylvester Levay

 

Sie erzählen das Leben und Sterben der
Kaiserin von Österreich als Emanzipationsstück
und Abgesang einer Epoche:
Die süße Sissi wird von ihrem Mörder (als Erzähler)
und dem Tod (als ihr Liebhaber) demaskiert.

 

 

 

 

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Szenenfolge Erster Akt

 

Prolog:

 

Die Welt der Toten und Träumer – Luchenis Verhör

Im Reich der Toten wird der Mörder der Kaiserin Elisabeth, der italienische Anarchist Luigi Lucheni, nach seinem Selbstmord zur Rechenschaft gezogen. Lucheni unterstellt, dass er Elisabeth mit seiner feigen Tat nur einen Gefallen getan habe. Er behauptet, sie sei die Geliebte des Todes gewesen, und mit ihm habe sie ein leidenschaftliches und gefährliches Liebesverhältnis gehabt. Zum Beweis ruft Lucheni Elisabeths Zeitgenossen auf und lässt die untergegangene Welt des Habsburger Reiches noch einmal auferstehen.

 

Szene 1:

Schloß Possenhofen am Starnberger See in Bayern (1853)

Lucheni läßt Elisabeths Jugend im ländlichen Bayern wieder aufleben, wo die 15-jährige in Freiheit aufwächst. Elisabeth bewundert ihren Vater und möchte am liebsten mit ihm vor einem bevorstehenden Familientreffen fliehen. Max aber geht seinen Weg und läßt seine Sisi bei der Gouvernante.

 

Szene 2:

Am Starnberger See -Familientreffen

Elisabeths Mutter Ludovika hat ihre Familie zusammengerufen und kündigt die bevorstehende Verlobung von Elisabeths Schwester Helene mit dem Kaiser von Österreich an. Dieses Familientreffen wird gestört, als Elisabeth während einer Vorführung ihrer Zirkuskunststücke vom Trapez stürzt. Sie erwacht in den Armen des Todes, den sie liebevoll ihren Schwarzen Prinzen nennt.

 

Szene 3:

Audienzsaal der Hofburg Wien -Audienz beim jungen Kaiser

Am Wiener Hof regiert der junge Kaiser Franz Joseph unter der strengen Aufsicht seiner Mutter, der Erzherzogin Sophie, die ihrem Sohn beibringt, das Reich mit harter Hand zu lenken.

 

Szene 4:

Bad Ischl -erstes Treffen Franz Joseph und Elisabeth

Erzherzogin Sophie reist mit Franz Joseph nach Bad Ischl zur Verlobung mit Helene. Aber die Begegnung verläuft anders, als es von den beiden Müttern geplant ist. Ludovika hat auch ihre 15-jährige Tochter Elisabeth mitgebracht, und Franz Joseph kann seine Augen nicht von ihr abwenden: Es ist Liebe auf den ersten Blick.

 

Szene 5:

Zwischen Himmel und Erde -Elisabeth und Franz Joseph verliebt

Elisabeth und Franz Joseph genießen ihr erstes Liebesglück. Der Kaiser warnt seine zukünftige Gattin vor einem Leben an seiner Seite, aber die junge Elisabeth träumt naiv von einem unbeschwerten Leben mit ihm.

 

Szene 6:

Augustinerkirche in Wien (1854) - die Hochzeit

Mit ihrem Ja-Wort wird Elisabeth Kaiserin von Österreich. Die junge Kaiserin aber begreift noch nicht, was für weitreichende Folgen diese Heirat für ihr eigenes Schicksal und das ihrer Umgebung haben wird. Der Tod läutet die Hochzeitsglocken.

 

Szene 7:

Ballsaal im Schloss Schönbrunn - der Hochzeitsball

Auf dem Hochzeitsball zweifeln Sophie, Max und die Hochzeitsgäste die Wahl der neuen Kaiserin an. Der Tod beobachtet Elisabeth unterdessen genau; er beginnt sein Spiel, das zwischen Anziehung und Abstoßung schwankt, und erweist sich für den Kaiser als gefährlicher Rivale. In dieser Nacht bekommt Elisabeth das erste Mal zu spüren, dass sie von jetzt an zum Besitz der Öffentlichkeit geworden ist.

 

Szene 8:

Schloss Laxenburg -Auseinandersetzung Elisabeth und Sophie

Die unkonventionelle Elisabeth erlebt den Wiener Hof schnell als eine für ihr Naturell feindliche Umgebung. Ihre Schwiegermutter Sophie ist davon überzeugt, dass sie ausschließlich mit höfischer Dressur ihre Schwiegertochter zu einer wahren Kaiserin machen kann. Verzweifelt sucht Elisabeth Halt bei Franz Joseph, der aber fügt sich dem Willen seiner Mutter. Elisabeth lehnt sich auf und beginnt ihren Kampf um Unabhängigkeit und um ihre persönliche Freiheit.

 

Szene 9:

Stationen einer Ehe - die ersten Ehejahre

In den darauf folgenden Jahren schenkt Elisabeth zwei Töchtern das Leben. Die Kinder werden ihr aber von der Schwiegermutter fortgenommen, damit sie sie eigenhändig erziehen kann. Bei einem offiziellen Besuch in Ungarn verlangt Elisabeth, ihre beiden Töchter mitnehmen zu dürfen. Franz Joseph gibt, gegen den Willen seiner Mutter, die Zustimmung, aber dieser Erfolg Elisabeths endet in einer Tragödie. Der Tod erscheint in Ungarn, um das Leben ihrer jüngeren Tochter Sophie zu nehmen. Die 19-jährige Elisabeth ist untröstlich.

 

Szene 10:

Ein Wiener Kaffeehaus - die Apokalypse

In einem Wiener Kaffeehaus ist Elisabeth tägliches Gesprächsthema. Wir erfahren, dass die Kaiserin dem lang ersehnten Sohn und Thronfolger Rudolf das Leben schenkt. Der Kaiser führt seine Kriege. Lucheni sagt den umsitzenden Gästen den Untergang des Habsburger Reiches voraus.

 

Szene 11:

Vorzimmer der erzherzoglichen Gemächer in Schloss Schönbrunn

Auch Kronprinz Rudolf wird durch Sophie von Elisabeth ferngehalten. Der junge Thronfolger sehnt sich nach seiner Mutter, er wird aber von Sophie dem strengen Grafen Gondrecourt anvertraut, der ihn auf seine zukünftige Rolle als Kaiser vorbereiten soll.

 

Szene 12:

Elisabeths Schlafzimmer (1865) - das Ultimatum

Als Elisabeth erfährt, dass ihr Sohn unter der strengen militärischen Erziehung leidet, kann sie nicht länger untätig bleiben. Sie setzt sich für ihren Sohn und für sich selbst ein und stellt dem Kaiser ein Ultimatum. Wenn sich der Tod auch als eine anziehende Alternative bietet, widersteht Elisabeth seinen Verführungskünsten und lernt, ihr wachsendes Selbstbewusstsein und ihre ungewöhnliche Schönheit zu ihrem Vorteil zu gebrauchen.

 

Szene 13:

Marktplatz in Wien - Aufruhr

Auf einem Marktplatz in Wien gerät das Volk in Aufruhr. Es gibt keine Milch für die Leute und deren Kinder. Lucheni enthüllt, dass die Kaiserin die ganze Milch für ihr tägliches Bad fordert, und er bereitet das Volk auf eine neue Zeit vor.

 

Szene 14:

Elisabeths Ankleidezimmer – Schönheit

 Elisabeth ist blind für das, was sich auf der Straße abspielt, und hat nur noch Interesse daran, ihre Schönheit zu erhalten. Der Kaiser teilt ihr mit, dass er ihr Ultimatum akzeptiert, und er bittet sie um Verständnis. Sowohl mit dem Kaiser als auch mit dem Tod an ihrer Seite befindet sich Elisabeth auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit und Macht.

 

 

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Szenenfolge zweiter Akt

 

Szene 1:

Vor der Kathedrale in Buda, Ungarn (1867) - die Krönung

Mit ihrer wiedergewonnenen Lebenskraft erringt Elisabeth ihren größten Triumph, als sie den Kaiser mit ihrem geliebten Ungarn zu versöhnen weiß, dem Land, das sich - genauso wie Elisabeth - nach Freiheit sehnt. Lucheni lässt uns auf seine eigene Weise sehen, wie diese Versöhnung durch die Krönung Franz Josephs und Elisabeths zum König und zur Königin von Ungarn besiegelt wird.

 

Szene 2:

Auf der Budapester Generalwiese - Elisabeth und der Tod

Auch in Ungarn meldet sich der Tod bei Elisabeth. Elisabeth jedoch hat nur noch Interesse für ihren Triumph und ihre Schönheit. also für sich selbst. Der Hochmut macht sie blind, und sie wendet dem Tod scheinbar den Rücken zu.

 

Szene 3:

Ein Schlafzimmer in der Hofburg -der kleine Rudolf

Der junge Rudolf vermisst seine Mutter, aber diese stellt ihre eigenen Interessen über die ihres Kindes. Jetzt. wo Elisabeth sich von ihm abgewendet hat. besucht der Tod ihren einsamen und überempfindsamen Sohn und stellt sich ihm als "Freund" vor.

 

Szene 4:

Salon der Erzherzogin Sophie in der Hofburg -politisches Spiel

Erzherzogin Sophie betrachtet die Rolle, die Elisabeth in Ungarn spielt, sowie ihren wachsenden Einfluss auf den Kaiser mit Argwohn. Zusammen mit einigen Vertrauten heckt sie einen Plan aus, um Elisabeths Macht zu brechen, und man beschließt, den Kaiser zur Untreue zu verführen.

 

Szene 5:

Das Wolf'sche Etablissement in Wien - die männliche Natur

Sophie schickt ihren Günstling, den Grafen Grünne, in den "Salon" von Frau Wolf, wo sich attraktive Mädchen anbieten. Grünne wählt ein "feuriges" Mädchen für den Kaiser aus. Leider weiß er nicht. dass das Feuer des Mädchens von einem durch Geschlechtskrankheit verursachten Fieber stammt.

 

Szene 6.

Elisabeths Gymnastikzimmer - die Maladie

In der Wiener Hofburg fühlt sich Elisabeth während ihrer Übungen an den Ringen plötzlich unwohl. Der Tod erscheint als Arzt verkleidet und diagnostiziert die französiche Krankheit. mit der Franz Joseph Elisabeth durch seine Untreue angesteckt haben muss. Der Tod macht der wütenden Elisabeth ihren Wunsch nach Unabhängigkeit bewusst. aber noch einmal findet Elisabeth die Kraft. ihn abzuweisen.

 

Szene 7:

Rastlose Jahre - Elisabeths Flucht

Franz Joseph wirft seiner Mutter vor, dass sie schon die ganzen Jahre über versucht hat. seine Ehe und sein Glück zu zerstören. Die Erzherzogin, deren Kräfte allmählich versiegen und die dem Ende ihres Lebens nahe ist. verteidigt sich: Es sei ihr ausschließlich darum gegangen, die Monarchie vor dem drohenden Untergang zu bewahren.

Elisabeth flieht vom Wiener Hof, verbringt ihre Zeit vor allem mit Reisen, dem Schreiben von Gedichten und dem zwanghaften Konservieren ihrer Schönheit. deren Vergänglichkeit Lucheni verkündet. Sie hat das Gefühl, ihr eigenes Dasein sei überflüssig geworden, und sieht nicht, dass der Kaiser, der ihr liebevolle Briefe schreibt. sie vermisst.

 

Szene 8:

Eine Nervenklinik in der Nähe von Wien -Wahnsinn

In einem Irrenhaus, das sie mit einem unangekündigten Besuch beehrt. begegnet Elisabeth einer Frau, die behauptet. die Kaiserin zu sein. Elisabeth weiß nicht mehr, wer hier die Wahnsinnige ist: sie selbst oder die Frau in der Zwangsjacke. Der Wahnsinn bietet sich Elisabeth als ein Ausweg aus ihrem verzweifelten Leben an.

 

Szene 9:

Auf dem Opernring in Wien - Nationalisten

Kronprinz Rudolf hat sich inzwischen zu einem jungen Mann mit politischem Bewusstsein entwickelt. Er stellt sich ebenso wie Elisabeth auf die Seite der Ungarn, was den Kaiser in Wut bringt. Rudolf wirft seinem Vater Starrsinn vor und beschuldigt ihn, seine Augen vor den Realitäten der Gegenwart und den Gefahren der Zukunft zu verschließen. Die Welt um ihn herum verändert sich schnell, und in den Straßen Wiens breitet sich der Nationalsozialismus aus wie ein Flächenbrand.

 

Szene 10:

Palais Karolyi, Ungarn (1888) -Rudolf

Rudolf hat ein Vorgefühl des drohenden Zerfalls der Dynastie und des Habsburger Reiches, das er einmal von seinem Vater erben soll. Er sucht Halt beim Tod, dem unvergessenen Freund aus seinen Kinderjahren, und lässt sich auf dessen Rat in eine ungarisch-nationalistische Verschwörung hineinziehen. Das Komplott kommt aber ans Licht, und der Kaiser bezeichnet seinen eigenen Sohn als Verräter.

 

Szene 11:

Korfu, Griechenland -Rudolfs Bitte

Elisabeth hat sich auf Korfu niedergelassen, wo sie sich hauptsächlich mit Spiritismus und der Dichtung Heinrich Heines beschäftigt. Sie tritt mit dem Geist ihres Vaters in Kontakt und begreift voll Verbitterung, dass die Träume, die sie als Kind hatte, sich nicht erfüllt haben. Jetzt, wo der Kaiser sich gegen ihn gewandt hat, sucht der einsame und verzweifelte Rudolf bei seiner Mutter Hilfe. Er bittet sie flehentlich, mit dem Kaiser zu sprechen. Aber Elisabeth hat nicht für ihre Unabhängigkeit gekämpft, um jetzt wieder auf die Knie sinken zu müssen, und sie verweigert ihrem Sohn die Unterstützung.

 

Szene 12:

Mayerling, Österreich (1889) - Selbstmord Rudolf

Enttäuscht von seiner Mutter, seinem Vater und dem Leben, fährt Rudolf nach Schloss Mayerling. Dort sucht er Zuflucht beim Tod, der auf ihn gewartet hat. Rudolf nimmt sich das Leben.

 

Szene 13:

Kapuzinergruft - Elisabeths Totenklage

Voll von Gewissensbissen und Schuldgefühlen trägt Elisabeth ihren Sohn zu Grabe. Sie hat Rudolf ihrem Kampf um die eigene Unabhängigkeit geopfert und will nicht mehr weiterleben. Aber jetzt ist der Tod an der Reihe, sich ihrem Wunsch zu widersetzen. Lucheni blickt ironisch auf all das Leid und fühlt, dass seine große Stunde nahe ist.

 

Szene 14:

Cote d'Azur - Abschied Franz Joseph und Elisabeth

Franz Joseph ist seiner rastlosen Ehefrau nachgereist. Er vermisst sie und glaubt immer noch an ihre Liebe zueinander. Elisabeth aber hat sich schon lange von Wien und vom Kaiser gelöst. Es ist zu spät. Der letzte Tanz beginnt.

 

Szene 15:

Die sinkende Welt - Franz Josephs Alptraum

In einem Alptraum, in dem Franz Joseph den Untergang des Habsburger Reiches sieht, steht der Kaiser seinem Rivalen gegenüber: dem Tod. In der Konfrontation werden Schreckensbilder vom Verhängnis des Kaiserreichs heraufbeschworen. Franz Joseph will Elisabeth retten, aber der Tod ist schneller. Er gibt Lucheni die Mordwaffe.

 

Epilog:

 

Genf (1898) - die Ermordung Elisabeths

Luchenis Verhör endet mit der Schilderung des Attentats. Elisabeths letzte Reise führt sie nach Genf. Dort wird sie am 10. September 1898 von Lucheni ermordet, der ihr mit einer spitzen Feile das Herz durchbohrt. Nach einem Leben voll Tragik, Ruhelosigkeit und Unverständnis hindert sie nichts mehr daran, ihren Tod zu umarmen. Die Liebenden haben zueinander gefunden. Elisabeth ist endlich frei.

 

 

 

 

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1973 arbeitete Michael Kunze als Plattenproduzent in München. Ein Pianist, der für eine Aufnahme vorgesehen war, sagte kurzfristig ab, und die Agentur schickte stattdessen einen jungen Mann namens Sylvester Levay.  Michael Kunze  erinnert sich: "Mir gefiel sehr gut, wie er spielte, denn er zeigte mehr als das, was Pianisten sonst boten. Er konnte auch arrangieren und komponieren."

Sie erfanden die Popgruppe "Silver Convention" und produzierten das Album "Save Me". Der daraus ausgekoppelte Song "Fly, Robin, Fly" wurde ein Welterfolg.  Michael Kunze  und Sylvester Levay erhielten als erste Deutsche die höchste Auszeichnung der US-amerikanischen Phonoindustrie, den Grammy.

1980 beendete  Michael Kunze  seine Tätigkeit als Plattenproduzent, um sich wieder ganz seiner Tätigkeit als Autor widmen zu können. Fortan veröffentlichte er mehrere Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Sylvester Levay hingegen zog in die Vereinigten Staaten, um seine Musikkarriere weiter auszubauen. Für Hollywood komponierte er Filmmusiken, unter anderem für George Lukas, Sylvester Stallone und Steven Spielberg.

In den 80er Jahren begann Michael Kunze, amerikanische und englische Musicals ins Deutsche zu adaptieren. während dieser Zeit arbeitete er eng mit Andrew Lloyd Webber zusammen. "Von ihm, Stephen Sondheim und Harold Prince habe ich alles über die Architektur des modernen Musiktheaters gelernt", sagt  Michael Kunze. "Manchmal kommt es mir vor, als hätte Elisabeth mich gesucht. Ihre Gedichte und die Berichte ihrer Zeit haben eine starke Resonanz in mir ausgelöst. Mir war, als hörte ich sie sagen: "Schreibe ein Bühnenstück über mich, in dem ich nicht wie ein kleines Dummchen dargestellt werde, das einen Kaiser geheiratet hat. Ich möchte als eine Frau gesehen werden, die ihrer Zeit 100 Jahre voraus war". Eine solche Figur mit so vielen dramatischen Momenten kann man nicht erfinden."

Bereits 1983 begann Michael Kunze an der Konzeption zu arbeiten. Er wollte kein herkömmliches Musical schaffen, sondern eine große, dramatische Geschichte mit den Mitteln des Musiktheaters darstellen. "Meine Idee war es, die Jahrhundertwende und ihre Umwälzungen in einer Person zu fokussieren. In Elisabeth spiegelt sich nicht nur der Untergang ihrer Epoche, sondern auch der Übergang in eine andere Zeit. Sie war eine hochmoderne Frau, ihrer Zeit weit voraus und doch so verhaftet in ihr. Sie verkörperte die Überzüchtung ihrer Kultur, dachte aber gleichzeitig modern und emanzipiert und wollte "sich selbst verwirklichen"'. Der Widerspruch des "Fin de Siecle" wurde in diesem Menschen zum Symbol."

Fünf Jahre arbeitete und feilte  Michael Kunze , bis das erste Libretto ausgearbeitet war. Elisabeth und ihr Leben, dargestellt als Liebesgeschichte zwischen ihr und dem Tod. Erzählt von ihrem Mörder Lucheni. 1988 stellt  Michael Kunze  seinem Freund Sylvester Levay das Konzept für ELISABETH vor. Sylvester Levay: "Ich war sofort gefesselt von dieser Idee und sagte spontan zu, mit Michael die Musik zu erarbeiten. Das Faszinierende war, die Ebene zwischen Vergangenheit und Zukunft miteinander zu verknüpfen. Ich sah ELISABETH als meine große Chance, klassische Musik und Pop-Rock verschmelzen zu lassen. Wir wollten kein historisches Stück schreiben, sondern mit unseren heutigen musikalischen Mitteln eine zeitlose Geschichte erzählen. Wer das Stück kennt, weiß, dass es in der Gegenwart spielt. Seine Bühne ist die Welt der Seelen jener Zeit, die keine Ruhe finden". Am 03. September 1992 feierte ELISABETH seine Welturaufführung in Wien. Es folgten Premieren in Japan, Ungarn, Schweden und Holland.

„ELISABETH geht dorthin, wo sie verstanden wird. Der Broadway ist nicht der Gipfel unserer Erwartungen. ELISABETH ist eine neue europäische Art von Musical. Es schielt nicht nach amerikanischen Vorbildern".

Am 22. März 2001 hatte "ELISABETH" seine Deutschland-Premiere im Colosseum Theater in Essen. Für diese Produktion haben  Michael Kunze und Sylvester Levay ihr Werk gründlich überarbeitet. So kommt es in Essen erstmals zu einem Streitduett zwischen Elisabeth und dem Tod. "Elisabeth sah sich selbst als Repräsentantin einer toten Kultur, sie stand gewissermaßen mit dem Lächeln der Wissenden an der Reling der Titanic. Ihr Leben war ein Kunstwerk, und sie selbst hat sich zur Kunstfigur stilisiert", sagt Michael Kunze . "Sie fühlte sich unverstanden von ihren Zeitgenossen, und ihre Hoffnung waren die "Zukunftsseelen", denen sie eines ihrer schönsten Gedichte gewidmet hat. Sie wollte wenigstens von uns Nachgeborenen verstanden werden." Sylvester Levay: "Zu ihren Lebzeiten wusste niemand, wo Elisabeth gerade war, und das ist bis heute so geblieben. Heute ist sie in Essen, Scheveningen, Tokio. Wo sie noch hingehen wird, wissen wir nicht. Wir wissen nur: Wir werden sie begleiten".

 

 

 

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Gute Frage.

Denn eigentlich wollte er ja den Prinzen Henri von Orléans ermorden. Als dieser nicht kam und er in der Zeitung las, dass Kaiserin Elisabeth gerade in Genf war, beschloss er stattdessen einfach sie  umzubringen, obwohl er Elisabeth gar nicht kannte.

Doch die Dramaturgie dieses Biographie-Musicals verlangte nach einem Erzähler, der mit bitterbösen Kommentaren und Insider-Wissen durch die Zeit und das Leben der Protagonistin führt - wie einst Che Guevara in “Evita”.
Also lässt Lucheni die zum Untergang geweihte Welt des Habsburgischen Reiches auferstehen und begleitet die süße Sisi bei ihrer Emanzipation und ihrem Scheitern.

Dies alles wird von Michael Kunze intelligent, mit großem Detailwissen äußerst theaterwirksam und menschlich anrührend erzählt. Da neben Lucheni auch der Tod als eine treibende Figur in das Bühnengeschehen eingreift, fällt die dramaturgische Schwachstelle (ein Mörder erzählt die Geschichte seines Opfers, das er gar nicht kennt) nicht weiter auf.

In „meiner Elisabeth“ wird daher einfach der historisch korrekte Hinweis auf den Prinzen von Orléans gestrichen. Schließlich bringt Lucheni Elisabeth um, “weil sie es wollte” - und weil der Tod ihm das Mordwerkzeug in die Hand legt. Der Tod erfreut sich nicht (wie bei Habbema) in einem ewiglichen Happy-End an seiner geliebten Elisabeth, sondern (wie bei Kupfer) stillt kurz sein Verlangen und legt dann die Ex-Geliebte beiseite, um sich um den Selbstmord Luchenis zu kümmern.

Ansonsten gibt es bei “meiner Elisabeth” keine großen Veränderungen. Denn schließlich ist dies ein Meisterwerk, das von Kunze / Levay mit den Jahren und den unterschiedlichen Aufführungsorten stetig weiterentwickelt wurde.

 

 

 

 

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Die Hauptrolle in diesem Musical bietet die Chance, zur Musical-Queen gekrönt zu werden.

Ehrlich gesagt:

Ich habe genossen, wie Maya Hakvoort
die Figur ausgelotet hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe erlebt, wie Pia Douwes
die Rolle kreierte und wie gereift
sie zu ihr zurückkehrte.

 

 

 


Da habe ich kein großes Verlangen mehr, neue „Elisabeths“ zu entdecken.

 

Denn diese Live-Aufführungen habe ich bisher von „Elisabeth“ gesehen:

Wien

1992 November

Wien

1996 September

Wien

1996 Dezember 20

Essen

2001 Oktober 31

Stuttgart

2005 September 11

Stuttgart

2006 Juli 21