Here life is beautiful.
The girls are beautiful.
Even the orchestra is beautiful.

 

Buch:
Joe Masteroff

nach den Berlin-Stories von Christopher Isherwood

 

Musik:
John Kander

 

Songtexte:
Fred Ebb

 

Übersetzung:
Robert Gilbert

 

 

im

der 70er und 80er Jahre

 

 

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im Berlin der 20er / 30er Jahre

 

Clifford Bradshaw, ein junger amerikanischer Schriftsteller, reist von Paris nach Berlin. Dort hofft er, endlich, ein Thema für seinen neuen Roman zu finden.

Während der Bahnfahrt macht er die Bekanntschaft eines Deutschen, der für die NSDAP mit Hilfe gutgläubiger Ausländer Parteigelder nach Deutschland schmuggelt.

Von Ernst Ludwig, dem Nazi, erhält er auch die Empfehlung, bei der Schöneberger Zimmerwirtin Fräulein Schneider zu wohnen und den Tipp, sich im heißesten Laden Berlins, dem Kit-Kat-Klub, zu amüsieren.

In der Pension am Nollendorfplatz lernt Cliff den jüdischen Obsthändler Isaak Schultz kennen.

Seinen ersten Abend, Silvester 1929, verbringt er bereits im berühmt-berüchtigten Tingeltangel, wo allabendlich ein zynisch-zwielichtiger Conférencier die Attraktion dieses Telefon-Etablissements ankündigt: Miss Sally Bowles. Die außergewöhnliche Engländerin verliebt sich Hals über Kopf in den Schriftsteller. Kurzentschlossen zieht sie zu ihm in die Pension Schneider. Dort bemüht sich auch der schüchterne Obsthändler Schultz um seine Vermieterin: Er macht ihr einen Heiratsantrag, den die resolute Dame gerührt, aber dann sofort annimmt.

Sally erwartet ein Kind von Cliff: Sie beschließen zu heiraten. Deshalb möchte Sally, daß Cliff auf das Angebot ihres Hausfreundes Ernst Ludwig eingeht, Parteigelder aus Paris über die Grenze zu schmuggeln. Im Obstladen am Nollendorfplatz feiern Herr Schultz und seine Zukünftige eine von Sally Bowles organisierte Verlobungsfeier. In dieses Fest platzt Ernst Ludwig, um Fräulein Schneider zu warnen, einen Juden zu heiraten. Die "neue" Zeit steht bedrohlich vor der Tür...

Fräulein Schneider zieht resigniert die Konsequenzen und löst ihre Verlobung mit Herrn Schultz wieder auf.

Cliff möchte dieses Berlin, das ihn beängstigt und zu erschrecken beginnt, verlassen. Er packt die Koffer, um mit der schwangeren Sally in die USA zu gehen. Sally jedoch klammert sich an ihre fragwürdige Cabaret-Karriere. Völlig desinteressiert an den politischen Veränderungen um sie herum, möchte sie in Berlin bleiben, um als Star weiterhin im Kit-Kat-Klub aufzutreten. Sie lässt ihr Kind abtreiben.

Das Stück lässt nur Verlierer zurück: Herr Schultz verlässt die Pension. Fräulein Schneider muss ihre letzten Hoffnungen auf Zweisamkeit vergessen. Immer deutlicher macht sich der drohende Nationalsozialismus bemerkbar. Noch versucht der Conférencier im Cabaret seine Witze darüber zu machen. Aber wie lange noch?

Cliff Bradshaw verlässt Berlin. Er sagt: „Goodbye to Berlin“ und kann seinen Roman beginnen. Über Berlin, über Sally Bowles, über das Cabaret ...

 

 

 

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im Berlin des Christopher Isherwood

 

Denn Christopher Isherwood verfaßte mit seinen Berlin-Stories
die literarische Vorlage für das Musical „Cabaret“.

 

Er wurde am 26. August 1904 in Cheshire (England) geboren. Er absolvierte das College in Cambridge. 1927 und 1928 studierte er Medizin an Londons King's College. Während dieser Zeit erschien seine erste Novelle „All the Conspirators“ (1928). 1929 kam er nach Berlin, wo er als Privatlehrer Englischstunden gab. Hier blieb er bis zu Hitlers Machtergreifung 1933. Er kehrte für einige Zeit nach London zurück, wo er 1935 seinen ersten Berlin-Bericht „Mr. Norris Changes Trains“, dann, 1939, seinen Roman „Goodbye to Berlin“ veröffentlichte.

Von 1934-38 war er zusammen mit seinem Freund, dem Dichter W.H. Auden, meistens auf ausgedehnten Europa- und Chinareisen. Hierüber veröffentlichte er neben zahlreichen Stücken und Gedichten auch genau beobachtete, eindringliche Reiseberichte, die er teilweise mit Auden zusammen verfasst hatte. Auf ihrer letzten Rückreise von China nach Europa machten Isherwood und Auden Station in den USA, wo sie nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges blieben und beide 1946 die amerikanische Staatsbürgerschaft erwarben. Beide verstanden diese Entscheidung als erklärte Absage an die europäische Zivilisation. Isherwood bekam Lehraufträge an den Universitäten Los Angeles und Santa Monica in Kalifornien und wurde Mitglied des US-National Institute of Arts and Letters.

In Hollywood arbeitete er bei MGM und Warner Bros. als Drehbuchautor. Durch seine Berührung mit der östlichen Philosophie entfernte er sich weiter konsequent von der abendländischen Tradition und bekannte sich zum Hinduismus. Er übersetzte zusammen mit Swami Prabhavananda das in Sanskrit geschriebene indische Lehrgedicht „Bhagavadgita“ (1944) und veröffentlichte 1980 seine Autobiographie unter dem Titel „My Guru and his Disciple“. Er übersetzte aber auch „Die intimen Tagebücher von Charles Baudelaire“.

Isherwood starb 1985 in Santa Monica.

 

 

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im echten „Cabaret“

 

Fast alle Operetten und die ihnen später folgenden Musicals haben hinsichtlich ihrer Libretti Vorlagen, das heisst, sie sind nach früher entstandenen Theaterstücken oder Romanen oder Erzählungen gemacht .orden. Im Falle von „Cabaret“ gibt es gleich mehrere solcher Vorlagen, die freilich, .was nun wieder paradox anmutet, eigentlich immer aus ein und derselben Quelle stammen : Nämlich aus dem Anfang der dreissiger Jahre in Berlin geschriebenen und einige Jahre später in London veröffentlichten Novellenband des Engländers Christopher Isherwood: „Goodbye to Berlin“. Das Buch war damals eine kleine Sensation, nicht zuletzt deshalb, weil die Atmosphäre der sterbenden Theater- und Kabarettstadt Berlin und die Angst vor den heraufziehenden Nazis in ihm noch einmal beschworen wurden. Es hatte diesen Titel, weil Isherwood, ein blutjunger Schriftsteller, der sich durch Englischstunden ernährte, während er Deutsch lernte, Berlin nach der Machtergreifung Hitlers verliess, um, wie er glaubte, es nie wiederzusehen.

Gleich in den ersten Zeilen der ersten Geschichte heisst es bei Isherwood „I am a camera - Ich bin ein Photograph“, womit er andeuten wollte, dass er eigentlich nichts erfunden, sondern nur der Wirklichkeit nachgebildet habe, was freilich nicht ganz der Wahrheit entsprach. Jedenfalls waren diese Worte der Grund für John van Druten, 1950 ein so benanntes Theaterstück zu verfassen, das zumindest zwei oder drei Figuren des Novellenbandes vorführt. Diese Dramatisierung hatte grossen Erfolg in New York, später in London, noch später in Berlin und in vielen anderen Städten, ein viel stärkerer, als er ursprünglich dem Buch beschieden war, gross genug, um daraus einen Film gleichen Titels zu machen, der allerdings erfolglos blieb und bald vergessen wurde. Grund genug freilich auch, daraus, wieder ein paar Jahre später, ein Musical zu machen, bei dem ganz andere Texter am Werk waren, das sie „Cabaret“ nannten und das, zuerst in New York im Jahre 1966, und zwei Jahre später in London einen durchschlagenden Erfolg hatte. (Natürlich musste dieser Erfolg nun wieder unter dem gleichen Titel verfilmt werden. Das geschah 1972).

Mit all diesen Versionen hatte übrigens Isherwood überhaupt nichts mehr zu tun. Die Dramatisierung seines Jugendwerkes hat er zwar zugelassen und auch die Verfilmung und die Verwandung in ein Musical und dessen Verfilmung, aber zufrieden ist er nicht damit. Während eines kurzen Besuches bei ihm im Mai 1981 beklagte er sich: „Eine Hauptfigur in den Berliner Geschichten war ja die Chansonsängerin Sally Bowles, die in einem drittklassigen Nachtlokal auftritt, das bald wegen Pleite geschlossen werden muss. Sie schläft ein bisschen herum und weiß sehr wohl, dass sie nicht genug Talent hat, um je so etwas wie ein Star zu werden. Und das erträgt sie auch recht gleichmütig: Sie lebt für den Tag oder, wenn man will, für die Nacht. Und eine andere seiner Figuren, die in die Dramatisierungen übernommen wurde, ist die Zimmervermieterin, die früher bessere Tage gesehen hat, und jetzt eben, weil sie in der Inflation alles verloren hat, vermieten muss. Obwohl sie sich moralisch gibt, schaut sie nicht so genau hin, wer alles bei ihr wohnt, wenn es sich um zahlende Mieter handelt. Also auch hier eine kleine, nicht ganz saubere und schon gar nicht pompöse Welt.“ Der Grundton von Isherwoods Erzählung war: Es ist nun einmal so - So what?

Da ist nun freilich in den Bearbeitungen und Umarbeitungen vieles ganz anders. Isherwood: „Das Ganze war eben kolossal geworden: Mein Kaschemmen-Kabarett - ein riesiger Showplatz, meine unbegabte, rührend-unbegabte Sally - ein prominenter Star!“

Übrigens hat Isherwood „seine“ Figuren noch einmal getroffen. Auch das Haus, in dem er damals wohnte, Nollendorfstrasse 17, unweit des seinerzeit doch eher repräsentablen Nollendorfplatzes, der heute ein Ort der kleinen Leute, auch der Gastarbeiter ist. Er kam 1952, also fast zwanzig Jahre nach seinem Abschied, wieder nach Berlin zurück. Damals war das Stück hier schon gelaufen, der Film wurde gerade gedreht. Auch seine ehemalige Zimmerwirtin traf er, die freilich umgezogen war. Sie hiess nicht Fräulein Schneider oder Schröder wie in den verschiedenen Bühnenversionen. sondern Meta Thurau. Isherwood hatte, wie er jetzt erzählte, darauf bestanden, ihr einen anderen Namen zu geben, weil sie, zumindest in der ersten Bühnenfassung, Sympathien für die Nazis hatte, die man der Thurau nicht nachsagen konnte -und er wollte sie auf gar keinen Fall kränken. Später, in der Musical-Fassung, war die Dame allerdings keine Nazi-Sympathisantin mehr, sondern eher das Gegenteil, ein bisschen in einen ihrer Mieter verschossen, einen nicht mehr ganz jungen, nicht unvermögenden Obsthändler, den sie zu heiraten hoffte, aber dann eben nicht konnte, weil er Jude war und weg musste - dies war ihr tragisches Schicksal.

Auch seiner Sally Bowles, von der er geschrieben hatte, er hätte sie nie wiedergesehen, begegnete er wieder. Sie war, wie ja auch im Buch Engländerin und hiess Jean Ross. Sie brachte es, wie gesagt, zu nichts in Berlin und verliess wenige Monate nach Isherwood Deutschland, blieb aber stets in Verbindung mit ihm, engagierte sich - wer hätte das gedacht? -politisch gegen die Nazis, war im spanischen Bürgerkrieg aktiv, wurde Frauenrechtlerin und starb 1973, ungefähr um die gleiche Zeit wie Meta Thurau. Damals hatte „Cabaret“ bereits Riesenerfolg.

Miss Ross, die nie heiratete, soll gelacht haben: „Ich selbst hatte nie Erfolg, aber als Sally Bowles hatte ich es nun in jeder Menge. Das alles ist ein bisschen komisch und auch ein bisschen traurig,“ Dies sagte Miss Ross alias Sally Bowles einem Bekannten, der es Isherwood berichtete.

 

Curt Riess, einer der letzten Zeugen der CABARET-Jahre, schrieb seinen (hier gekürzten) Beitrag ursprünglich für das Jahrbuch des Opernhauses Zürich, 60. Jahrgang, Saison 1981/82

 

 

 

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im „Cabaret“ auf der Bühne und im Film

 

Die Uraufführung am Broadway fand am 20. November 1966 statt. Das Buch stammt von Fred Ebb, die Musik von John Kander. Regie führte Harold Prince. Die Hauptrollen spielten Lotte Lenya als Frl. Schneider, Jill Haworth spielte Sally Bowles und Joel Grey als Zeremonienmeister war der einzige, der später unter Bob Fosse als Regisseur auch in der Verfilmung von 1972 mitwirkte. Die letzte von 1.165 Vorstellungen fand am 6. September 1969 statt. Insgesamt gewann das Musical acht Tony Awards. Einige Parallelen zu „Chicago“, einem weiteren Kander & Ebb-Hit sind unübersehbar.

 

Bob Fosse verfilmte das Musical “Cabaret” sehr lebensnah. Gesungen wird hier nur auf der Bühne, auf Schallplatte oder im teutonischen Biergarten. Auch auf die Ausstattung und die deutsche Besetzung wurde großen Wert gelegt. Allerdings, Liza Minelli prägte für Generationen die Figur der Sally Bowles, so dass Bühnendarsteller es schwer haben dagegen zu bestehen - vor allem, wenn sie versuchen, dieser Film-Sally näher zu kommen. Da bedurfte es schon einer außergewöhnlichen Besetzung, wie sich Helmut Baumann 1987 im Berliner Theater des Westens aufbot: Helen Schneider (Sally Bowles), Wolfgang Reichmann (Conferencier) und Hildegard Knef (Fräulein Schneider)

 

Und dann kamen Savary und Lemper . . .

„Ich mochte“, so sagt Jérôme Savary, „das Elend und das Zärtliche an Isherwoods Personen. Ich mochte seinen alten kahlköpfigen, geschminkten Barmann und die gestrandeten Animierdamen. Ich widme mich ihnen freudigen Herzens.

Cabaret zeigt einen ganz kleinen Ausschnitt vom Beginn des Faschismus – es ist nicht der optimistische „struggle for live“.  Cabaret ist von allen amerikanischen Musicals das am meisten europäische: Es ist uns besonders nahe, denn es erzählt unsere Geschichte. Cabaret ist keine amerikanische Geschichte – es ist unsere Geschichte aus der Sicht der Amerikaner. Es ist unsere Musik (Kurt Weill ist unüberhörbar), allerdings von den Amerikanern mit ihrem Gespür für Timing bei den Songs ebenso wie im Libretto.

Und schließlich ist Cabaret auch meine Geschichte, denn es ist die Geschichte von Künstlern (nicht gerade der berühmtesten, der erstklassigen, der „crème de la crème“), sondern die Geschichte von Leuten, die ich liebe, von meinen Brüdern und Schwestern, den Musical-Künstlern, Tänzern, Illusionisten, Dudelsackspielern, Barmusikern und Kneipenkellnern. Ihnen widme ich diese Aufführung.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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