Tradition, Tradition ...
ohne unsere Tradition wäre unser Leben genauso unsicher,
wie der Fiddler da auf dem Dach.

Ein Stück Musical-Geschichte - in Deutschland besser
bekannt als „Anatevka“ - wurde geschrieben von:

 

Buch:
Joseph Stein

 

Musik:
Jerry  Bock

 

 

 

 

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Prolog

Vor Tevjes Haus

Tevje stellt in einem Prolog die verschiedenen Bewohner des kleinen Dörfchens Anatevka vor und bekennt sich gemeinsam mit ihnen zur Tradition, zu den überkommenen Sitten und Gebräuchen. Außerdem macht er uns mit einer Phantasiefigur bekannt: dem Fiedler auf dem Dach. Dessen Balanceakt ist ein Symbol für die jüdische Gemeinde im zaristischen Rußland. Jeder versucht, sein seelisches Gleichgewicht zu halten und dabei eine lustige Melodie zu spielen, ohne sich das Genick zu brechen.

 

1. Szene

Küche in Tevjes Haus

Tevjes Frau Golde trifft mit ihren fünf Töchtern Zeitel, Hodel, Chava, Sprintze und Bielke Vorbereitungen zum Sabbat. Golde möchte ihre Töchter, vor allen die älteste, Zeitel, an den Mann bringen. Von der geschwätzigen Heiratsvermittlerin Jente erhält sie den Hinweis, daß der reiche Metzger Lazar Wolf, ein Witwer, gern die Zeitel heiraten wÜrde. Zeitel ist hierüber gar nicht glücklich, zumal ihre Mutter Golde ihrem Jugendfreund. jem armen Schneider Mottel, keine Hoffnung macht. Für die drei Mädchen ist "ein Mann" Gesprächsthema Nummer eins.

 

2. Szene

Vor Tevjes Haus

Tevjes Pferd hat ein Hufeisen verloren. Auf seine Art hadert er mit Gott, daß er jetzt seinen Milchwagen selbst ziehen muß. Sein unbesiegbarer Humor läßt jedoch keine Trübsal aufkommen, im Gegenteil, er macht sich über seine Armut lustig. Die revolutionären Ideen, mit denen sich der Student Perchik in die Gespräche der Kunden einmischt, beeindrucken den Milchmann sehr, und er nimmt Perchik über den Sabbat als Lehrer für seine Töchter ins Haus.

 

3. Szene

In Tevjes Haus

Tevje macht den Sabbatgast Perchik mit seiner Familie bekannt. Golde überredet ihren Mann, nach dem Feiertag unbedingt mit dem Metzger zu sprechen, der etwas von ihm haben wolle. Tevje glaubt, daß es sich um eine Milchkuh handelt. Der arme Schneider Mottel ist ebenfalls Gast irn Hause Tevjes. Zeitel bittet ihn dringend, um ihre Hand anzuhalten, bevor es zu spät ist. Aber der Beginn der gemeinsamen Sabbatfeier macht das vorhaben zunichte.

 

4. Szene

Im Dorlwirtshaus

Die Verhandlung zwischen dem Metzger und dem Milchmann basiert zunächst auf einem grotesken Mißverständnis: Lazar meint die Tochter Zeitel, und Tevje meint die Milchkuh. Aber schließlich erkennt Tevje die Chance für seine Tochter und nimmt das Heiratsangebot von Lazar an. Ein Umtrunk für alles Wirtshausgäste, an dem sich auch die anwesenden Russen beteiligen, wird zu einem turbulenten Fest.

 

5. Szene

Straße vor dem Dorfwirtshaus

Während sich die Gäste verabschieden und auseinandergehen, informiert der dazugekommende Dorfpolizist Tevje darüber, daß auf Anordnung von "oben" demnächst in Anatevka eine "kleine inoffizielle Demonstration" stattfinden muß, um den Juden wieder einmal vor Augen zu führen, wie sehr sie von der Gunst der Russen abhängig sind.

 

6. Szene

Vor Tevjes Haus

Perchik unterrichtet Sprintze und Bielke während der Hausarbeit mit Beispielen aus der Bibel, die er mit ironischer Sozialkritik anreichert. Beim Thema "Gleichberechtigung der Frauen" kommt es zu einem Streitgespräch, bei dem sich Hodel und Perchik näherkommen. Der verkaterte Tevje erscheint und gibt die Verlobung von Zeitel mit dem Metzger Lazar Wolf bekannt. Mutter  und Schwestern gratulieren, aber Zeitel bestürmt den Vater, das Versprechen rückgängig zu machen. Zum Glück erscheint Mottel und erklärt, daß er mit Zeitel seit einem Jahr verlobt ist. Tevje ist empört, daß man sein traditionelles Vaterrecht mißachtet hat, aber er beugt sich schließlich vor der Liebe der beiden jungen Leute, die überglücklich sind.

 

7. Szene

In Tevjes Schlafzimmer

Tevje überlegt eine Möglichkeit, seiner Frau Golde die neue Situation klarzumachen. Er erzählt seiner Frau einen schrecklichen Traum, dessen Gestalten persönlich auftreten: die alte Oma Zeitel, die sich für den Schneider Mottel einsetzt, FrumahSarah, die verstorbene Frau des Metzgers, die der Familie Schreckliches androht, wenn Zeitel den Metzger heiratet. Schließlich ist auch  Golde davon überzeugt, daß Zeitel bestimmt ihr Glück mit Mottel machen wird.

 

8. Szene

Dorfstraße und Mottels Schneiderladen

Die Dorfbewohner diskutieren Zeiteis Verlobung und beglückwünschen Mottel, der sich beim Hutmacher schon einen Hochzeitshut bestellt. Chava, die inzwischen auf den Laden aufpaßt, wird von ein paar russischen Burschen belästigt, aber von dem jungen Russen Fedja in Schutz genommen. Sie gibt sich sehr zurückhaltend, aber sein ehrliches Interesse und seine Ablehnung des Antisemitismus beeindrucken sie tief.

 

9. Szene

Hof vor Tevjes Anwesen

Die Familien der Brautleute Zeitel und Mottel haben sich mit ihren Freunden in Tevjes Hof versammelt, um Zeugen der feierlichen Trauungszeremonie zu sein, die der Rabbi und sein Sohn vornehmen. Ihren Gefühlen verleihen sie Ausdruck in einem Lied. Die Hochzeit wird traditionell gefeiert. Doch es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Tevje und Lazar, bei denen der Rabbi immer wieder begütigend eingreift. Als Perchik entgegen der Tradition eine der Frauen, nämlich Hodel, zum Tanz auffordert, entsteht neue Aufregung. Tevje rettet die Situation, indem er sich mit seiner Frau Golde den Tanzenden anschließt.

Der Bann ist gebrochen, und bis auf Lazar und Jente tanzen nun auch die anderen Gäste. In diesem Augenblick erscheint der Wachtmeister mit einer Gruppe von Soldaten. Er fordert die Dorfbewohner auf, ruhig weiterzufeiern, während er seiner Pflicht nachkommt. Die russischen Soldaten hauen alles kurz und klein. Als einziger wehrt sich Perchik und wird niedergeschlagen.

Nach "getaner Arbeit" entschuldigt sich der Polizist und zieht mit seinen Leuten zum nächsten Anwesen weiter, während Tevje mit seiner Familie schweigend mit den Aufräumungsarbeiten beginnt.

 

 

 

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II. AKT

 

Vor Tevjes Haus

Tevje bittet Gott -halb vorwurfsvoll, halb ironisch -um Beistand für Zeitel und Mottel und für seine eigenen Nöte

 

1. Szene

Vor Tevjes Haus

Perchik, der seine Befangenheit hinter revolutionären Redensarten zu verbergen sucht, macht Hodel vor seiner Abreise nach Kiew einen Heiratsantrag und ist überglücklich, als sie zustimmt. Tevje sagt jedoch nein, denn er findet, daß solche Entscheidungen gegen die Tradition und das Elternrecht verstoßen. Als er sieht, wie sehr sich die beiden lieben, will er ihrem Glück nicht im Wege stehen. Als aber Golde heftig protestiert, untersuchen sie die Frage, warum sie vor 25 Jahren geheiratet haben. War es traditionelle Vermittlung? War es Liebe? In einem rührenden Duett gestehen sie sich: Es war Liebe.

 

2. Szene

Auf dem Bahnhof von Anatevka

Tevje hat seine Tochter Hodel zum Bahnhof begleitet, da sie unbedingt Perchik in die sibirische Verbannung folgen will. Schweren Herzens nimmt er von ihr Abschied.

 

3. Szene

Auf der Dorfstraße und in Mottels Schneiderwerkstatt

Die Dorfbewohner eilen, um Zeitel und Mottel zum Familienzuwachs zu gratulieren, aber wir sehen kein Baby in der Wiege, sondern eine Nähmaschine in der Werkstatt. Auch der junge Russe Fedja stellt sich als Gratulant ein. Chavas Versuch, ihrem Vater klarzumachen, daß Fedja und sie heiraten wollen, scheitert an dessen streng religiöser Haltung.

 

4. Szene

Auf der Landstraße

Tevje hadert mit Gott, denn sein Pferd lahmt, und er muß seinen Wagen wieder selbst ziehen. Die Nachricht, daß seine Tochter Chava fortgelaufen ist und sich christlich mit Fedja trauen ließ, versteinert seine Haltung noch mehr.

 

5. Szene

In Tevjes Haus

Zu Golde kommen Dorfbewohner und erzählen von schlimmen Gerüchten aus Petersburg. Der Dorfpolizist mit zwei Soldaten tritt auf und gibt den Befehl weiter, daß alle Dorfbewohner binnen drei Tagen ihre Häuser und ihre Habseligkeiten verkaufen und das Dorf verlassen müssen. Der Zorn des Widerstandes verraucht bald und macht pragmatischen Überlegungen Platz.  Schließlich war Anatevka auch nicht der Garten Eden.

 

6. Szene

Vor Tevjes Haus

Tevje packt die kleine Habe seiner Familie auf den Milchwagen. Die Fahrt geht nach Süden, wo ein Auswandererschiff nach Amerika wartet. Jente will ins Gelobte Land. Chava und der Russe Fedja wollen gemeinsam nach Krakau gehen, der Fleischer Lazar Wolf zu seinem ungeliebten Vetter nach Chicago. Als letzter verläßt der Fiedler mit aufrechten Schritten das Stückchen Erde, Symbol des Lebenswillens einer kleinen Gemeinde.

 

ENDE

 

 

 

 

 

 

DAS WUNDER VON ANATEVKA

Es war im Sommer 1964, als das Musical «Anatevka» («Fiddler on the Roof») in Detroit aus der Taufe gehoben wurde. Doch entgegen allen Erwartungen wurde es kein Erfolg, im Gegenteil, die Pressekritik war vernichtend. Also wurde es teilweise umgeschrieben, insbesondere der zweite Akt erhielt eine neue Fassung. Nach einem zweiten Versuch in Washington folgte dann am 22. September 1964 im «Imperial Theatre» am Broadway die Premiere, die wieder von der Presse, speziell von dem Kritiker Walter Kerr mit negativer Beurteilung bedacht wurde. Das Publikum hingegen ließ sich seine Begeisterung für das Musical dadurch nicht zerstören, und das «Imperial Theatre» erlebte einen überwältigenden Besucherstrom, der acht Jahre dauern sollte. Als das Stück am 2. Juli 1972 abgesetzt wurde, hatte es in New York 3242 Vorstellungen hinter sich, war neunmal mit dem begehrten «Tony Award» ausgezeichnet worden und hatte den «N.Y. Drama Critic's Circle Award» erhalten. Es wurde ein zweites Mal in New York herausgebracht, und wieder wurde es 'der' Publikumserfolg. Allein in New York haben in der gesamten Zeit sieben Tevjes und sechs Goldes gespielt. Das Ausland riß sich darum, die Aufführungsrechte zu bekommen, und in mehr als 56 Ländern der Erde haben mehr als 25 Millionen Besucher das Wunder von «Anatevka» erlebt.

 

Kein Tag ohne ANATEVKA

Ein Welterfolg ohnegleichen. Es ist bisher kein Tag vergangen, an dem es nicht irgendwo auf der Welt gespielt wurde. In Japan wird es seitdem jedes Jahr mehrere Monate ebenso gespielt wie natürlich auch in Israel, es hat die Londoner ebenso begeistert wie die Deutschen, nachdem es am 1. Februar 1968 in Hamburg mit Shmuel Rodensky als Tevje in der Inszenierung von Karl Vibach seine deutsche Erstaufführung erlebte.

 

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Zustimmung und auch Kritik an ANATEVKA

In Deutschland hat es viele Kommentare zu dem Musical «Anatevka» gegeben. Die meisten waren positiv. Einige kritische Stimmen bemerkten, daß in diesem Werk die jüdischen Typen so gezeigt werden, wie sie einer vordergründigen Klischeevorstellung entsprechen, als mit den Händen redende, orientalisch singende und fremd erscheinende Menschen. Die überwiegende Mehrheit fand, daß uns das Stück etwas erzählt von dem Leben einer kleinen Minderheit in einem fremden Land, von der jüdischen Folklore, der Phantasie und der Musikalität, der Freude am Singen und Tanzen. Das entscheidende Wort sprach bei einer Diskussion in Hamburg ein katholischer Geistlicher. EI fand, daß das Stück etwas vermittele, was uns im Westen weitgehend verloren gegangen sei, es zeige uns nämlich das Leben in der Familie und das Leben -mit Gott.

«Anatevka» ist kein Lehrstück über die jüdische Kultur, aber es ist, wie man in Amerika sagt, "touching", ein "Herzenswärmer". Es handelt von den uralten Problemen des Dreiecks Vater, Mutter, Kind. Alle Autoren und Urheber, die an der Entstehung dieses einmaligen, jede herkömmliche Art sprengenden Musicals beiteiligt waren, sind irgendwie verwandt mit den Gestalten der Bühne, wurzeln irgendwo im Lebensbereich von «Anatevka», teilen irgendwie das Schicksal, aber auch den Optimismus seiner Bewohner. Deshalb stellten die amerikanischen Autoren auch ihrem Textbuch drei Worte voran, die eigentlich alles aussagen. Sie schrieben auf die erste Seite ihres Buches: "Unseren Vätern gewidmet."

 

Programmheft Deutsches Theater München, 4.8.1983

 

 

 

 

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Harnick Stein Bock

 

 

Über den Komponisten Jerry Bock

Er gehört zur Garde der Komponisten, fur die das Theater die herrlichste Nebensache der Welt ist. Sein Talent war fast zufällig von einem seiner Lehrer entdeckt worden: Jerry Bock wurde auf eine weiterbildende Schule geschickt, komponierte zum Spaß fur Feste und Parties. Jerry Bock (Jerrold Lewis) wurde am 23.11.1928 in New Haven geboren, in der Stadt, in der noch heute -neben Boston -die Musicals auf ihre Broadway-Erfolgschancen hin vor dem Publikum getestet werden. Er studierte Klavier und als Schüler an der HighSchool komponierte er sein erstes Musical My Dream. An der University of Wisconsin, die er im Anschluß daran besuchte, lernte er seine spätere Frau kennen, schrieb die Musik zu den jährlichen Shows und komponierte sein zweites Musical Big as Life.

In Amerika sind Jerry Bocks Musicals fast alle populär geworden, aber nur Anatevka wird ein Welterfolg. Nach Abschluß seiner Studien an der Universität von Wisconsin stürzte er sich kopfüber in die Fernseharbeit, fiel zunächst unter den vielen musikalischen Zulieferern nicht sonderlich auf. 1955 wurden für die Broadway-Revue Catch a Star (1955) drei seiner besten Songs ausgesucht, die die Aufmerksamkeit von Jule Styne erregten. Als Produzent suchte er eine Show oder ein showähnliches Musical für Sammy Davis jr. Jerry Bock schrieb die Musik für die Aufsteigerstory (1956), deren erster Akt aus einer kleinen Handlung bestand und deren zweiter eine Revue auf einer Showbühne mit schnell aufeinanderfolgenden Songs war. Der Titelsong  Mr. Wonderful schlug ein, ebenfalls Too C!ose for Comfort.

Jerry Bock erhielt seine erste große Musicalchance. Als eher Konservativer schien er den Produzenten des geplanten Musicals über den legendären New Yorker Bürgermeister Fiorello Henry LaGuardia als der richtige Mann. Fiorello (1959) versprühte so intensiv New Yorker Atmosphäre der Vergangenheit, daß Jerry Bock und seinem Texter Sheldon Harnick 1960 die Gestaltung für das Musical Tender!oin übertragen wurde, ebenfalls ein Schaustück aus New York, in dem der damals sündige Teil auf der West Side Manhattans eine artige und passable Beschreibung erfuhr. Für She Loves Me (1963), die Musicalfassung der Komödie von Miklos Laszlos "Parfumerie", lieferten Bock und Harnick gleich dreiundzwanzig Songs, die Handlung und Charaktere so gekonnt einbetteten, daß die Kritik von einem kleinen Meisterwerk sprach.

Sein wirkliches Meisterwerk folgte 1964 mit Fiddler on the Roof Für dieses schwere und subtil zu behandelnde Thema studierte er chassidische Volksmusik und schrieb leise, fast authentisch wirkende Musik. Das Musical lief bis 1972 und schlug alle Aufführungsrekorde. Jerry Bock ist kein Experimentator; sein Versuch, mit The Appletree (1966) eine Mann-Frau- Teufel- Trilogie zu schaffen, ging in die Binsen. Ein Achtungserfolg gelang ihm mit der jüdischen Familiengeschichte The Rothschi!ds (1970). Seither ist Jerry Bock, der seine Zusammenarbeit mit Sheldon Harnick abrupt beendete, nur noch als Berater für Remakes aus der Musicalvergangenheit tätig.

 

Programmheft Anatevka, Parktheater Augsburg

 

 

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Der Librettist

Joseph Stein

über die Entstehung des Musicals

Wie so viele Kinder von Emigranten in Amerika und in den westlichen Ländern Europas, nahmen mich die Geschichten von Scholem Alejchem gefangen. Und als schließlich Jerry Bock, Sheldon Rarnick, Jerome Robbins und ich uns dazu entschlossen, ein zeitgenössisches Musical zu schreiben, das auf den Tevje-Geschichten von Sholem Alejchem basieren sollte, wußten wir sehr wohl, daß wir gezwungen sein würden, uns zwar von ihrem Inhalt zu entfernen, doch ihrem Geist treu zu bleiben.

Die Tevje-Stories sind in unterschiedlicher Form, in anderer Sprache, zu verschiedener Zeit für einen Leserkreis geschrieben worden, der mit der Tradition und der Struktur der "Schtetl"-Kultur aufs engste vertraut war. Es sind einzelne Erzählungen, jede als Monolog des Tevje an den Autor gerichtet, sie haben weder Anfang noch Ende und können sehr verschieden interpretiert werden.

Um jenes Musical zu schaffen, das wir uns vorstellten, sahen wir uns genötigt, eine allgemeingültige Story zu konzipieren. Um diese Absicht verwirklichen zu können, wählten wir die Auflösung der Dorfgemeinschaft und den Zusammenbruch ihrer Tradition unter dem Ansturm einer feindlich gesinnten Umwelt und neuer historischer Kräfte.

So erzählen und illustrieren wir die Geschichte von Tevje und seiner Familie, von ihren Abenteuern und von ihren Romanzen. Dafür mußten wir uns selbstverständlich zusätzlicher Charaktere bedienen, vor allem aber einer Choreographie und einer attraktiven Partitur, um unsere Story in eine neue Form zu kleiden.

Aber trotz dieser Änderung -vor allem der Übersetzung einfacher Volks-Geschichten in die Form eines zeitgenössischen Musicals -haben wir uns bemüht, Sholem Alejchem und den Leuten von Anatevka gerecht zu werden. So blieben sie also die hart arbeitenden, empfindsamen, vulgären, lauten, humorvollen, religiösen, abergläubischen, mutigen und nicht einmal unkomplizierten Dörfler, die ein hartnäckiger Instinkt ans Überleben glauben läßt. Deshalb bedeutet der "Fiddler" für uns mehr als nur ein Musical. Es war ein Werk persönlicher Genugtuung und Verpflichtung!

 

Programmheft Anatevka Parktheater Augsburg 1996

 

 

 

 

An diese „Anatevka“-Aufführungen kann ich mich noch erinnern:

Sindelfingen

?

München

1983 August/September

Ulm

1987 Frühjahr

Böblingen

1996/97 Spielzeit

Greifswald

1993  Juli  09

Frankfurt (Main)

2006 Oktober 12